„Tangerine L.A.“ im Karlstorkino in Heidelberg

Weihnachten auf dem Straßenstrich der Transsexuellen in Los Angeles. Wenn das mal kein satanisches Thema ist!
Während des deutschen „Queer Festivals Heidelberg 2017“ zeigte am 20.05. und 28.05. das Karlstorkino die englische Komödie Tangerine L.A. mit Untertiteln in deutscher Sprache (Eintritt regulär 7,50 EUR). Der Film hatte 2015 seine Premiere im Programm des „Sundance Film Festivals“ (Festival für unabhängige Produktionen in den USA).

„Queer“ umfasst die verschiedensten sexuellen und geschlechtlichen Identitäten, von männlichen/weiblichen Homosexuellen bis zu BDSM-orientierten oder nichtmonogamen Heterosexuellen. Der Film mit dem Originaltitel „Tangerine“ handelt von Transgender-Prostituierten mit ursprünglich männlichem Geschlecht („Transfrauen“) und dem sexuellen Fetisch von Freiern für die „Frauen mit Schwanz“.

Tangerine

Gerade mal fünf Besucher verteilten sich auf die Plätze, als ich den winzigen Kinoraum im Kulturhaus Karlstorbahnhof betrat. Kein Wunder, es gab ja auch nicht die schöne Disney-Welt von „Cinderella“, sondern Sex, Drogen und Gewalt aus der Welt „Sin-Dee Rellas“ vom L.A.-Transenstrich.
Diese war gerade für ihren Liebhaber Chester 28 Tage in Haft, um dessen Drogengeschäfte zu decken. Als sie zu Weihnachten freikommt, muss sie von ihrer Freundin Alexandra erfahren, dass Chester zwischenzeitlich eine Affäre mit einer „normalen“ Frau außerhalb der Transgender-Szene angefangen hat. Da rastet Sin-Dee Rella zu energiegeladener Electro-Musik so richtig aus und zeigt den von Regisseur Sean Baker mit einem iPhone gedrehten Film und seine beiden Hauptdarstellerinnen von der Straße im besten Licht.

Sin-Dee RellaEifersucht und Gewalt:
Sin-Dee Rella hat ihre Konkurrentin gefunden

Der in den USA gefeierte Independent-Film kann aber auch über einige inhaltliche Schwächen nicht hinwegtäuschen. Das ist spätestens der Fall, wenn die Schwiegermutter des armenischen Taxifahrers (und heimlichen Kunden der Prostituierten) erscheint und so gar nicht satirisch in Szene gesetzt wird.
Hier wird der „queere“ Transvestit Divine aus den 70er Jahren in Erinnerung gerufen. In seinen Filmen mit John Waters hat dieser kleinbürgerliches Ehe- und Familienleben mit wesentlich wirkungsvollerem Humor auseinandergenommen („Pink Flamingos“, „Female Trouble“, „Polyester“).

Links:
Karlstorkino im Kulturhaus Karlstorbahnhof
http://www.karlstorkino.de

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