Ausstellung „Schädel – Ikone, Mythos, Kult“ im Weltkulturerbe Völklinger Hütte

Die Ausstellung „Schädel – Ikone, Mythos, Kult“ im Weltkulturerbe Völklinger Hütte (1994 wurde das ehemalige Eisen- und Stahlwerk in Deutschland von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt) knüpft an die „Schädelkult“-Ausstellung der Reiss-Engelhorn-Museen im Jahre 2011/2012 in Mannheim an.
Doch sind die beiden Ausstellungen nicht identisch, die Völklinger Präsentation im Saarland vom 25. Juli 2015 bis 3. April 2016 (Eintritt 15,– EUR) betont stärker die spirituelle Dimension des Totenkopfes. Zwischen den riesigen Maschinen der ehemaligen Gebläsehalle des Stahlwerkes werden Voodoo-Schädel aus Westafrika gezeigt, die bei Ritualen den Kontakt zum Jenseits ermöglichen wie auch die Jenseits-Kräfte ins Diesseits übertragen sollen. Ebenfalls aus Afrika stammen Schädelaufsatzmasken zur schwarzmagischen Kontrolle von Seele und Lebenskraft der Toten.

Naga-SchädelIndischer Naga-Schädel mit Hörnern
(Diese sollten verhindern, dass der Tote gerufen werden konnte)

Einen magischen Aspekt haben auch die Trophäenschädel mit Hörnern der Naga aus Indien. Diese Beutestücke der Kopfjagd wurden zur spirituellen Steigerung der Macht des Kriegers verwendet. Kopfjagd im asiatischen Kulturraum ist ebenso aus Borneo überliefert (in Nordamerika mit „Skalpen“, in Südamerika mit „Schrumpfköpfen“).

Naga-SchädelbaumNaga-Schädelbaum
(In der Ausstellung nicht zu sehen)

Die tibetischen Schädelschalen stellen hingegen ein „Memento mori“ (Mahnung an die Endlichkeit des Lebens) dar. Ab dem Spätmittelalter findet man dieses Motiv auch im europäischen Kulturkreis.
In Europa hat der menschliche Schädel in mittelalterlichen Beinhäusern und im christlichen Reliquienkult eine Rolle gespielt.
Die Bedeutung des Totenschädels im rituellen Satanismus wird nicht behandelt, anderweitige wissenschaftliche Untersuchungen der Gegenwart sind in dieser Hinsicht teilweise aufgeschlossener.

The Satanic TempleTotenschädelarrangement des „Satanic Temple“
(In der Ausstellung nicht zu sehen)

Neben der spirituellen Dimension des Schädels wird auch die Bedeutung in der medizinischen und anthropologischen Forschung in der Ausstellung berücksichtigt. Leihgaben aus anatomischen Instituten sind ebenso zu besichtigen wie Exponate aus der Schädelsammlung des Darwinisten Gabriel von Max.
Einen eher ästhetischen Hintergrund weisen die künstlich deformierten Schädel in der Ausstellungshalle auf. Auch die Ahnenköpfe Ozeaniens („Häuptlingsköpfe“) werden teilweise dem dortigen Schönheitsideal entsprechend übermodelliert.

Totenkopf-AktAktfotografie mt Totenkopf-Motiv
(In der Ausstellung nicht zu sehen)

Europäische Ästhetik der Gegenwart kommt in den ausgestellten Masken des Schweizer Künstlers HR Giger und den Totenköpfen auf künstlerischen Bildern (Urban Art) oder Schallplattencover (vorwiegend Heavy Metal- und Punk-Musik) zum Ausdruck.
Hier ist die Völklinger Ausstellung eindeutig anspruchsvoller als ihr Mannheimer Pendant mit seiner damaligen Beschränkung auf Totenkopf-Chic aus der subkulturellen Gothic-Szene.

Links:
Weltkulturerbe Völklinger Hütte
http://www.voelklinger-huette.org
Bayern 2-Radiobeitrag aus der Reihe „IQ – Wissenschaft und Forschung“
Was wirklich hinter den Satanisten steckt

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