Hexentreiben auf dem Darsberg in Neckarsteinach

Hexentreiben

Liebe Närrinnen und Narrhallesen,
wir wollen uns diesmal in diesem schmutzigen Weblog unter der Regentschaft des allmächtigen Satans mit dem „Hexentreiben auf dem Darsberg“ einer Veranstaltung „christlichen Brauchtums“ (christliche „Fastnachtforschung“ des für die Organisation zuständigen Kulturausschuss Darsberg) zuwenden.
Denn auch wenn wir die Hexe schon tausendfach auf dem Scheiterhaufen verbrannt haben, es geschah doch immer aus christlicher Nächstenliebe.
Die vom Teufel besessene Seele wird durch die Urkraft des Feuers vom Bösen gereinigt.
So haben wir hier ein christliches Brauchtum mit den Hexen, das schon über viele Jahrhunderte reicht.

WickianaMassenhinrichtung von Hexen im Jahre 1587 in Unlingen/Baden-Württemberg
(Überlieferung von Pastor Johann Jakob Wick)

Für alle, die nicht in christlicher Mission unterwegs sind, steht der Karneval natürlich in der Tradition der ausgelassenen Umzüge mit Masken und Musik im antiken Griechenland zu Ehren des Dionysos. Der wiederkehrende Unterweltgott der Ekstase und Verwandlung spendete in seiner Orakelstätte in Amphikleia heilende Träume. Nach Darstellung der Orphiker (vorchristliche religiöse Strömung) verlieh er dem Menschengeschlecht seine göttlichen Elemente, die durch Initiationen erweckt werden können.
Im Gefolge von Dionysos befindet sich der Hirtengott Pan, dessen Freude an Musik, Tanz und Sexualität zu seiner „Verteufelung“ im Mittelalter führte. Fortan wird der „Tiufel“ des Christentums wie der griechische Pan mit Kopfhörnern und Bocksfüßen dargestellt.

Bolivianischer Tobas-TänzerAuch hier kein christliches Brauchtum:
Tobastänzer in Hexentracht beim Karneval in Bolivien

Sprachgeschichtlich lässt sich das mittelhochdeutsche „Tiufel“ vom germanischen Kriegsgott Tyr oder „Tiu“ herleiten. Eine stärkere Verbindung zur germanischen Mythologie, etymologisch wie auch inhaltlich, besteht jedoch für die von dem Göttervater Odin verbannte Unterweltsgöttin Hel (sprachlich in Bezug zu dem späteren Begriff „Hell“ bzw. „Hölle“).
Vorchristliche Hexen, die den Kontakt zur Unterwelt suchten, wurden „Haljarunae“ genannt. „Hagalaz“, die Rune der Göttin, ist einerseits die Rune der Zerstörung, andererseits auch des Neubeginns (im Zusammenspiel mit den Naturgewalten).

Feuerrad DarsbergDarsberger Feuerrad mit Karnevalshexe

Doch an dieser Stelle zurück zur Veranstaltung. Folgt man am Ortsende von Neckarsteinach (Umland von Heidelberg in Deutschland) der Strasse bergaufwärts, kommt man zu einem kleinen Stadtteil mit dem Namen Darsberg. Am Dorfplatz versammelten sich dort gegen 19:30 Uhr die Karnevalshexen mit ihren Holzmasken. Zusammen mit Guggenmusikern und ein paar Schaulustigen setzte sich der Hexenumzug zu den Wiesen am Ortsausgang in Bewegung. Hier hatten sich schon die meisten Zuschauer bei Glühwein und „Feuerradwurst“ versammelt.
Die Neckarfurzer spielten nun zum Auftakt die Guggeversion des Rocktitels Whatever you want (Status Quo), während die Hexen um ein entfachtes Feuer tanzten. Auf den Wiesen gegenüber vom Glühweinstand war eine steile Wegstrecke für das Feuerrad mit Fackeln abgesteckt worden. Und in der angebrochenen Dunkelheit erlebte man schließlich ein kurzes schwarzromantisches Schauspiel, wie das mit Stroh gefüllte Rad mit lodernden Flammen den Hügel hinuntergerollt wurde.

Links:
Feuerrad und Hexentreiben auf dem Darsberg
http://www.darsberg.com/Hexentreiben-Infos.html
Hel – Göttin der Totenwelt
http://www.lokis-mythologie.de/hel.html

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