Die Hell-Fire Caves in High Wycombe

Die Hell-Fire Caves im britischen High Wycombe sind ein künstlich angelegtes Höhlensystem mit einem satanistischen Mythos: Sir Francis Dashwood (1708–1781) soll dort im 18. Jahrhundert mit seinem „Hell-Fire Club“ unter dem Motto „Fay ce que voudras“ (Tu, was du willst) wüste Schwarze Messen gefeiert haben.

So kamen die Höhle und die freimaurerisch geprägte Loge von Dashwood zu ihrem „Höllenfeuer“ im Namen.
Die bereits vorhandenen Gerüchte um den Ort wurden im 19. Jahrhundert weiter ausgebaut, ohne dass jemals irgendwelche realen Anhaltspunkte für einen Satanismus gefunden wurden.

Hell-Fire CavesEingangsportal der Hell-Fire Caves
(Dezember 2015)

In dem kleinen Ticketshop (Eintritt 6,– Britische Pfund, entspricht ca. 8,– EUR) vor Ort ist eine Broschüre erhältlich („West Wycombe Caves“), die einige weniger spektakuläre, aber dafür belegbare Informationen zu dem dortigen Hell-Fire Club enthält.

Es gab zum Beispiel eine Bibliothek, die von der Loge gepflegt wurde und viele humoristische Werke enthielt, aber auch etliche christliche Werke. Das in späterer Zeit satanistisch interpretierte Logenmotto „Fay ce que voudras“ ist der humanistischen Literatur des Benediktiners François Rabelais entnommen. Der Briefverkehr der Loge wurde einer historischen Bibel angeheftet.
Ebenso überliefert ist ein umfangreicher Alkoholkonsum bei den Zusammenkünften an Hand von entsprechenden Weinlisten, und es wurden in den Höhlen diskrete Treffen mit Damen der vornehmen Gesellschaft arrangiert, welche sich zu diesem Zweck maskierten.

In diesem Zusammenhang können auch die immer angeführten (aber nicht belegbaren) Parodien des Hell-Fire Clubs auf christliche Riten betrachtet werden.

Dashwood-MausoleumDas Dashwood-Mausoleum auf dem Hügel von West Wycombe
(Im Hintergrund die Kuppel der von Dashwood (!) restaurierten Kirche von St. Lawrence)

Die Höhle selbst hinter dem beeindruckenden gotischen Eingangsportal ist übrigens kaum einen Besuch wert. Ein paar Schaufensterpuppen in historischen Kostümen können die engen Gänge aus Kalk nur wenig aufwerten. Auch hat die touristische Erschließung im Jahre 1951 weder zu einem Busanschluss in High Wycombe geführt, noch gibt es einen richtigen Fußweg zum nahegelegenen Mausoleum der Familie Dashwood.

Links:
The Hell-Fire Caves
http://www.hellfirecaves.co.uk

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