Das Museum der mittelalterlichen Folterinstrumente in Prag

Abseits vom Einfluss der christlichen Kirchen in Europa im Zentrum Prags (in Tschechien beträgt der christliche Anteil der Bevölkerung nur ca. 12 %) gibt es schon seit langer Zeit eine sehenswerte Ausstellung zu Folterpraktiken im Christentum des Mittelalters.
Dass das dortige Museum in einem klerikaleren gesellschaftlichen Umfeld nicht ganz so selbstverständlich ist, zeigt die 7-jährige Geschichte des „Mittelalterlichen Foltermuseums“ in Freiburg im Breisgau in Deutschland, das bis zur Schließung im Jahre 2006 öffentlichem Druck durch die Kirche ausgesetzt war.

Christliche FolterZeitgenössische Radierung
zum christlichen Hintergrund
der mittelalterlichen Folter

Wenn man den Eingangsraum des Foltermuseums in der Celetná 12 in Prag betritt, befindet sich ein Kassenraum (Eintritt 160 CZK, entspricht ca. 6 EUR) mit einer Vitrine, in der eher uninteressante Horrormasken zum Verkauf angeboten werden. Eine Wendeltreppe führt zu den eigentlichen Museumsräumen in einem alten Gewölbekeller. Hier sind rund 100 Ausstellungsgegenstände sowie historische Abbildungen zu Folterpraktiken mit mehrsprachigen Erläuterungen (auch in Deutsch) zu sehen. Folterinstrumente wie die „Eiserne Jungfrau von Nürnberg“ oder die Streckbank werden zum Teil mit Wachsfiguren und akustischen Effekten in Szene gesetzt.

StreckbankMittelalterliche Streckbank im Prager Foltermuseum

Die sogenannten Schandmasken, die in der mittelalterlichen Rechtsprechung eingesetzt wurden, waren manchmal Teufelsfratzen und verdeutlichen ebenso wie die gesamte Ketzer- und Hexenverfolgung mit ihrem vielfältigen Folterinstrumentarium einen menschenverachtenden Teufelsglauben bis in das späte 18. Jahrhundert, von dem die kirchliche Inquisition besessen war (exorzistische Maßnahmen der römisch-katholischen Kirche dauern auch heute noch an).

SchandmaskenSchandmasken für Ehrenstrafen
(meist am Pranger)

Links:
Museum der mittelalterlichen Folterinstrumente
http://www.museumtortury.cz

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