„Laurin“ im Cinema Quadrat in Mannheim

„Gott möge mein Zeuge sein“ sind die letzten Worte des pädophilen Kindermörders in dem Schauermärchen von Regisseur Robert Sigl aus dem Jahre 1989. Dann wird der mit Messer bewaffnete Pastorensohn schicksalhaft hingerichtet.
„Laurin“, das kleine Mädchen mit den außersinnlichen Visionen und zentrale Titelfigur des Films, hat sich wie ein Dämon maskiert und dem auflauernden Christen einen Schrecken versetzt, der zu einem tödlichen Unfall führt.

Laurin

Das deutsche Feuilleton widmet sich aktuell mit Begeisterung dem Film „Hagazussa – Der Hexenfluch“ von Lukas Feigelfeld. Auf Grund der großen zeitlichen Distanz kann sich der Rezensent hier bequem zurücklehnen und über die bigotte christliche Dorfgemeinschaft des Mittelalters schwadronieren.
Die Wiederaufführung von Laurin in digital restaurierter Fassung im „Cinema Quadrat“ in Mannheim am 24.07.18 (Eintritt regulär 8,– EUR) hat einen deutschen Küstenort zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Schauplatz und die Dorfgemeinschaft ist im Verlauf der Jahrhunderte nicht weniger bigott geworden.

Der Pastor und sein Sohn an der Kirchenorgel sind am Ort Autoritäten, die den kirchlichen Heiligenschein auszunutzen wissen. Und darunter fällt nicht nur ein verheimlichtes Liebesverhältnis des Pastors mit unehelichem Kind.
Der militärisch ausgebildete „statusgemäße“ Sohn wird problemlos in der Dorfschule als Lehrer untergebracht. Nur die Kinder dort wundern sich, dass „in der Stadt“ der Unterricht etwas qualifizierter ist und der neue Lehrer im Umgang mit den Schülern im vorpubertären Alter gewisse Anzüglichkeiten zeigt.
Und die übersinnlich begabte Laurin sieht in ihren Visionen hinter der ehrenwerten Fassade des Schullehrers den Mann, der die verschwundenen Jungen im Dorf umgebracht hat.

Die expressionistische Umsetzung der etwas holprigen Handlung bleibt allerdings deutlich hinter der Intensität des Horrors zurück, die beispielsweise ein Dario Argento in seinen Filmen entfalten kann (siehe „Suspiria“). Auch die eingesetzten märchenhaften Elemente wie der schwarze Hund als Begleiter des Mörders sind nicht wirklich stimmungsvoll integriert.

Links:
Cinema Quadrat – Kommunales Kino Mannheim
http://www.cinema-quadrat.de

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